Ein Forum für den internationalen Dialog

Globalisierung politisch gestalten

Entwicklung und Frieden gehören zusammen

Was verbindet Frieden und Sicherheit mit wirtschaftlicher Entwicklung und sozialer Gerechtigkeit? Und warum lässt sich keines dieser Ziele dauerhaft erreichen, ohne die anderen mitzudenken?

Diese Fragen beschäftigten Willy Brandt bereits in den 1970er Jahren. Als Vorsitzender der Unabhängigen Nord-Süd-Kommission setzte er sich dafür ein, die Beziehungen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern auf eine neue Grundlage zu stellen. Ihr 1980 veröffentlichter Bericht „Das Überleben sichern“ rückte einen Gedanken in den Mittelpunkt, der bis heute nicht an Bedeutung verloren hat: In einer zunehmend verflochtenen Welt sind die Zukunftsperspektiven der Menschen untrennbar miteinander verbunden.

Aus dieser Überzeugung heraus initiierte Brandt 1986 die Gründung der Stiftung Entwicklung und Frieden (sef:). Sie sollte Orte schaffen, an denen über die großen globalen Herausforderungen jenseits nationaler und politischer Grenzen nachgedacht werden kann. In einer Welt, die noch vom Ost-West-Konflikt geprägt war, sollte die Stiftung die Debatten über Frieden und Sicherheit mit den Fragen der Nord-Süd-Beziehungen verbinden.

„Entwicklung im weiteren Sinn ist ein anderes Wort für Frieden“, formulierte Willy Brandt. Dieser Gedanke bildet bis heute das Fundament unserer Arbeit. Denn auch wenn sich die weltpolitischen Herausforderungen seit der Gründung der sef: grundlegend verändert haben, bleibt die Frage, wie Frieden, Entwicklung und internationale Zusammenarbeit gemeinsam gestaltet werden können, von zentraler Bedeutung.

Offen für unterschiedliche Perspektiven. Klar in unseren Werten.

Internationale Zusammenarbeit lebt davon, unterschiedliche Interessen zu verstehen, Gegensätze auszuhalten und nach gemeinsamen Wegen zu suchen. Das bedeutet nicht, dass immer Einigkeit erzielt werden muss. Gerade dort, wo politische Positionen auseinanderliegen, braucht es die Bereitschaft, einander zuzuhören und die eigene Sichtweise zu hinterfragen.

Diesem Verständnis fühlt sich die sef: verpflichtet. Als unabhängige und überparteiliche Stiftung fördert sie den offenen, auch kontroversen Austausch zwischen Menschen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Ein besonderes Anliegen ist ihr, dass dabei nicht allein deutsche oder europäische Sichtweisen den Ton bestimmen. Perspektiven aus anderen Weltregionen, insbesondere aus dem Globalen Süden, sind unverzichtbar, um globale Herausforderungen in ihrer ganzen Tragweite zu erfassen.

Offenheit für unterschiedliche Positionen bedeutet dabei keine Beliebigkeit. Die sef: orientiert sich an den Grundwerten der Menschenwürde, Demokratie und sozialen Gerechtigkeit sowie an der Verantwortung für Umwelt und natürliche Ressourcen. Auf dieser Grundlage setzt sie sich für eine friedliche, gerechte und nachhaltige globale Entwicklung ein.

Globale Verantwortung beginnt nicht erst auf internationaler Ebene

Ob Klimaschutz, wirtschaftliche Verflechtungen, Migration oder Fragen internationaler Sicherheit: Globale Entwicklungen reichen bis in den Alltag der Menschen hinein. Gleichzeitig haben politische Entscheidungen und gesellschaftliches Handeln in Deutschland Auswirkungen weit über die eigenen Grenzen hinaus.

Diese Verbindungen sichtbar zu machen, gehört zu den zentralen Anliegen der sef:. Sie möchte das Bewusstsein für globale Zusammenhänge stärken, fundierte politische Debatten anregen und die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit in Politik und Gesellschaft vermitteln.

Als Stiftung der Bundesländer Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen richtet sie den Blick dabei besonders auf die Länder und die Menschen vor Ort. Denn internationale Verantwortung ist nicht allein Sache der Außenpolitik. Auch auf Landes- und kommunaler Ebene werden Entscheidungen getroffen, die globale Entwicklungen beeinflussen – und umgekehrt müssen hier Antworten auf deren Folgen gefunden werden.

Die sef: möchte dazu beitragen, dass internationale Fragen in diesen politischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen stärker mitgedacht werden. Sie unterstützt insbesondere Akteure aus Politik und Verwaltung dabei, Entwicklungen einzuordnen und Handlungsmöglichkeiten zu erkennen, und bezieht die Zivilgesellschaft sowie die interessierte Öffentlichkeit in den Austausch ein.

Wissenschaft und politische Praxis im Austausch

Fundierte politische Debatten brauchen mehr als unterschiedliche Meinungen. Sie brauchen Wissen, das Zusammenhänge erklärt, Annahmen hinterfragt und auch unbequeme Erkenntnisse zur Diskussion stellt. Wissenschaftliche Expertise ist deshalb seit jeher ein wichtiger Bestandteil der Arbeit der sef:.

Dabei versteht sich die Stiftung nicht als Forschungseinrichtung. Ihre Stärke liegt vielmehr darin, wissenschaftliche Erkenntnisse mit politischen Erfahrungen und gesellschaftlichen Perspektiven zusammenzuführen. Sie schafft Gelegenheiten, bei denen Forschung auf Praxis trifft, unterschiedliche Einschätzungen kritisch diskutiert und neue Fragen aufgeworfen werden können.

Besonders eng ist die sef: seit 1990 mit dem Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) an der Universität Duisburg-Essen verbunden. Das Institut wurde seinerzeit zur wissenschaftlichen Unterstützung der Stiftungsarbeit gegründet. Die Partnerschaft verbindet seither wissenschaftliche Forschung zu globalen Entwicklungen mit dem politischen Dialog und der Vermittlungsarbeit der sef:.

Ein sichtbarer Ausdruck dieser Zusammenarbeit ist die gemeinsame Publikationsreihe „Globale Trends: Perspektiven für Entwicklung und Frieden“. Sie untersucht langfristige Veränderungen der internationalen Ordnung und greift Fragen auf, die für die Zukunft globaler Zusammenarbeit entscheidend sind. Damit führen sef: und INEF einen Anspruch fort, der beide Einrichtungen seit ihrer Entstehung verbindet: wissenschaftliche Erkenntnisse in politische und gesellschaftliche Debatten einzubringen und neue Perspektiven auf die Herausforderungen unserer Zeit zu eröffnen.

Ergänzt wird diese Zusammenarbeit durch den gemeinsamen Newsletter sef:/INEF News und den INEF/sef: Development and Peace Blog, der internationalen Autorinnen und Autoren Raum für unterschiedliche Sichtweisen auf Fragen von Entwicklung und Frieden bietet.

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