4. Käte Hamburger Lecture

© Käte Hamburger Kolleg

Beyond 2015: Getting Serious about Global Justice

Donnerstag, 6. Dezember 2012 um 16.30 Uhr
Grand City Hotel Duisburger Hof, Duisburg

Konferenzsprache: Englisch

Kooperation (Veranstalter):
Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global Cooperation Research, Duisburg

 

Professor Pogge stellte in seiner Rede zum Thema „Beyond 2015: Getting Serious about Global Justice“ globale Gerechtigkeit in den Kontext der aktuellen Armutsverteilung in der Welt: Mehr als 400 Millionen Menschen sind seit Ende des Kalten Krieges an den Folgen von Armut gestorben. Das weltweite Einkommen ist zudem höchst ungerecht verteilt. Während die oberen 5% der Weltbevölkerung mehr als 46% des globalen Haushaltseinkommens besitzen, steht dem unteren Viertel der Weltbevölkerung weniger als 1% zur Verfügung. Für Pogge belegt dies, dass die internationale Gemeinschaft ihrer Verpflichtung zum Schutz und der Durchsetzung von Menschenrechten nicht nachkommt.

Als Gründe für die globale Ungleichheit nannte Pogge u.a. fehlende Transparenz und Rechenschaftspflicht auf internationaler Ebene. Hauptschuld an der Benachteiligung der Armen in der derzeitigen Weltwirtschaftsordnung gibt er der supranationalen Institutionenarchitektur. Die Regierungen wohlhabender Staaten und deren Bürger tragen durch ihre Lobbyarbeit auf internationaler Ebene dazu bei, den Armen Güter und Freiheiten vorzuenthalten, die Gegenstände elementarer Menschenrechte sind.

Das Auslaufen der Millennium-Entwicklungsziele (MDGs) im Jahr 2015 betrachtet Pogge als einmalige Gelegenheit, die internationale Institutionenarchitektur zu verändern und globale Gerechtigkeit herzustellen. In den MDGs sieht Pogge eine von den eigentlichen Akteuren losgelöste Wunschliste. Mit dem Ziel, die Armut weltweit bis 2015 zu halbieren, sei einerseits den ärmsten Ländern die größte Last aufgebürdet worden. Andererseits wurde das Festschreiben konkreter Verantwortlichkeiten innerhalb der internationalen Staatengemeinschaft versäumt. 

Pogge plädiert deshalb dafür, die globalen Entwicklungsziele nach 2015 durch konkrete institutionelle Reformen zu ersetzen, die vor allem wohlhabende Staaten in die Verantwortung nehmen. Als konkrete institutionalisierte Initiativen zur Armutsbeseitigung nannte er u.a.:

  • Aufhebung oder Kompensation protektionistischer Handelsbarrieren;
  • Kompensationsgebühren für Umweltverschmutzung und Klimawandel;
  • Gebühren/Steuern auf Waffenexporte, die in einen Human Development Fund fließen;
  • Steueruntergrenze für den Gewinn multinationaler Konzerne;
  • Beseitigung anonymer Bankkonten;
  • Verhinderung des Umlegens von Schulden auf die Bevölkerung, wenn diese nicht vom Kredit profitiert hat;
  • Sicherstellung des Nutzens von Rohstoffen eines Landes für die jeweilige Bevölkerung;
  • Einrichtung eines Health Impact Funds.

Margret Thalwitz und Prof. Dr. Jan Aart Scholte, beide Senior Expert Fellows am Käte Hamburger Kolleg/Centre for Global Cooperation Research, stimmten in ihren Kommentaren mit Pogge überein, dass institutionelle Reformen notwendig seien. Thalwitz bemerkte, dass das dargestellte Marktversagen eigentlich hinlänglich bekannt sei. Trotzdem bestehe eine große Diskrepanz zwischen moralisch richtigem Handeln und den Mechanismen internationaler Institutionen. Prof. Scholte warf die Frage auf, wie die von Pogge entworfenen Institutionen demokratisch legitimiert und vor neuerlichen Interessen reicher Länder geschützt werden könnten. 

Pogge ist Professor für Philosophie und Internationale Beziehungen an der Yale University (New Haven) und einer der aktivsten und renommiertesten Analysten der gegenwärtigen Herausforderungen für globale Gerechtigkeit. Moderiert wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Thomas Spitzley, Professor für Philosophie an der Universität Duisburg-Essen.

Weitere Informationen finden Sie beim Käte Hamburger Kolleg.

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