epd-Entwicklungspolitik, 22/2002, S. 58
Globale Trends

Uwe HoeringSeit ihrer ersten Ausgabe vor sechs Jahren haben sich die „Globalen Trends“ zum festen Bestandteil in der Abteilung Nachschlagwerke des Bücherregals entwickelt, geben sie doch einen guten Überblick über wichtige Entwicklungslinien und –perspektiven in der Weltgesellschaft. Auch die Ausgabe 2002 hält sich an das gewohnte Gliederungsgrundmuster von Weltgesellschaft, Weltkultur, Weltwirtschaft, Weltökologie, Weltpolitik und Weltfrieden. Innerhalb dieser Schwerpunkte umreißt jeweils ein einleitender Beitrag die größeren Trends und Interdependenzen, weitere Artikel beschäftigen sich mit einzelnen Aspekten, wobei auch hier die jeweiligen Themen in jeder Ausgabe weitgehend gleich sind. Getreu dem Anspruch der Herausgeber (I. Hauchler, D. Messner, F. Nuscheler), mit den Globalen Trends nicht nur Bestandsaufnahme und Analyse, gestützt auf aktuelle internationale Fachliteratur und eine große Datenmenge, zu liefern, sondern auch Handlungsempfehlungen für Politik und Zivilgesellschaft zu geben, münden viele Beiträge in konkreten Aufgabenbestimmungen, Vorschlägen oder Forderungen. Ergänzt werden die einzelnen Kapitel durch Schaubilder und Kästen, der ganze Sammelband durch eine Übersicht über wichtige Kenndaten für die Länder der Welt, ein ausführliches Sachregister und ein umfangreiches Abkürzungsverzeichnis.Allerdings lag der Redaktionsschluss der Ausgabe 2002 vor dem 11. September 2001. Das muss man sich bei der Lektüre vergegenwärtigen, es entwertet aber nicht unbedingt die Inhalte. Dadurch, dass für die gleichen Kapitel in jeder Ausgabe meist ein anderer Autor bzw. Autorin verantwortlich ist, wird eine Aktualisierung und Fortschreibung der wiederkehrenden Themen verknüpft mit individuell anderen Schwerpunktsetzungen, Sichtweisen und Positionen, wodurch jeder Beitrag einen durchaus eigenständigen Stellenwert bekommt. Ebenso unterscheiden sich die thematischen Textkästen und Schaubilder von Jahr zu Jahr, so dass jede Ausgabe trotz fester Grundstruktur ihre eigene Aussagekraft hat und damit – wie gesagt – fester Bestandteil im Bücherregal ist.

E+Z 6/2002, S. 199
Globale Trends - handlungsleitend aufbereitet

Jos Schnurer

"Die Kluft zwischen den armen und reichen Weltregionen wächst. (...) Gegen Ignoranz und den scheinbar grenzenlosen Zynismus der Satten gilt es, die Vision einer Welt ohne Grenzen und Vorurteile zu setzen." Das schrieb Willy Brandt, der Gründer der Stiftung Entwicklung und Frieden (SEF), 1991 im Vorwort zur ersten Ausgabe von "Globale Trends". Nimmt man die insgesamt sechs seither von der SEF edierten Bände, so lässt sich unschwer erkennen, dass Autoren und Herausgeber dem Auftrag von Brandt gerecht geworden sind: Orientierungswissen zu vermitteln und Handlungsperspektiven zu eröffnen. Es geht bei den "Globalen Trends" nicht um lexikalisches Wissen, um nüchterne Daten und Fakten, sondern um wissenschaftliche Analyse mit Empfehlungen für politisches Handeln.Die Themen der neuen Ausgabe lauten "Weltgesellschaft", "Weltkulturen", "Weltwirtschaft", "Weltökologie", "Weltpolitik und Weltfrieden"; im Vordergrund der Beiträge steht die Frage, wie kollektives globales Handeln in einer Welt möglich und verantwortbar ist, in der die Lebensbedingungen in Nord, Süd, Ost und West zunehmend durch gegenseitige Abhängigkeiten geprägt sind. Die Antwort der Herausgeber: Global Governance als "politische Architektur, die es erlaubt, von einer einseitig staatenzentrierten und konfliktiven Weltordnung zu einem kooperativen Netzwerk von Staaten, internationalen Institutionen und zivilgesellschaftlichen Akteuren überzugehen, das in eine globale Rechtsordnung eingebettet ist und - auf dem Weg zu einer demokratischen Weltrepublik - durch Elemente von globaler Staatlichkeit ergänzt wird."Diese Vision einer globalen Staatlichkeit zieht sich durch alle Beiträge. Das Autorenteam beschränkt sich jedoch nicht auf Überlegungen und theoretische Entwürfe dazu, sondern benennt deutlich die Barrieren, die ein friedliches, gerechtes und humanes Zusammenleben in der "Einen Welt" so schwierig machen: Interessen und Macht, Ideologien und Leitbilder, die der nationalstaatlichen Ebene verhaftet bleiben. Dagegen müsste eine Agenda für internationale Entwicklung u.a. folgende Aufgaben enthalten: Weiterentwicklung der internationalen Zusammenarbeit sowie internationaler Vereinbarungen zur Lösung globaler Probleme wie Umweltverschmutzung, Krisen und Kriege, Verschuldung und Finanzkrisen; Stärkung und Erweiterung der multinationalen Organisationen und Institutionen, beispielsweise durch ihre Öffnung für die Zivilgesellschaft und durch den Ausbau einer supranationalen Gerichtsbarkeit und die Ausarbeitung von Konzepten für eine effektive globale Streitschlichtung; Schaffung eines globalen Netzwerkes aus parlamentarischen und außerparlamentarischen zivilgesellschaftlichen Akteuren; und nicht zuletzt müsse ein weltbürgerliches Bewusstsein gefördert werden, denn bei der Globalisierung handele es sich nicht allein um einen wirtschaftlichen Prozess, vielmehr spielten auch politische, soziale und kulturelle Faktoren eine wichtige Rolle.Für die wissenschaftliche Arbeit, aber auch für Bildung und Erziehung sowie als Orientierungsrahmen für politisches Handeln sind die "Globalen Trends" unverzichtbar.

AKTUELLES

Von der Agenda 2030 zum Politikwandel. Narrative, Anreize und Strukturen

ANKÜNDIGUNG

Wie können die Bundesländer ressortübergreifende Zielvorstellungen für die SDGs entwickeln? Braucht ein Politikwechsel neue Strukturen? Wie kann ein positives Narrativ den Politikwechsel begleiten? Expertinnen aus den Administrationen und Parlamenten der Bundesländer werden diese Fragen am 18./19. September im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung erörtern. Eine Teilnahme ist nur auf persönliche Einladung möglich.

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sef: JAHRESBERICHT 2017 erschienen

Auch im Jahr 2017 hat die sef: Menschen und Initiativen rund um den Globus aufgespürt und miteinander in Dialog für Frieden, nachhaltige Entwicklung, soziale Gerechtigkeit und den Respekt der Menschenwürde gebracht. Der Jahresbericht fasst die zentralen Ergebnisse unserer Veranstaltungen noch einmal zusammen und gibt einen Überblick über unsere Publikationen und Finanzausgaben.

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sef: STELLENAUSSCHREIBUNG

Die Stiftung Entwicklung und Frieden (sef:) sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine wissenschaftliche Referentin/einen wissenschaftlichen Referenten (Vollzeit). Hauptaufgabengebiete sind die Konzeption sowie die inhaltliche Vor- und Nachbereitung von Veranstaltungen (Projektleitung), die inhaltliche Betreuung von sef: Publikationen und die Mitwirkung an der Öffentlichkeitsarbeit. Die Bewerbungsfrist endet am 1. August 2018.

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How to defend digital rights?

BERICHT ERSCHIENEN

Die Freiheit des Internets ist in vielen Staaten durch Einschränkungen der Netzneutralität oder das Abschalten einzelner Anwendungen eingeschränkt. Aber es gibt Hoffnung. In verschiedenen Weltregionen mobilisiert sich die Zivilgesellschaft um Netzneutralität zu schützen. Über die Erfahrungen von Netzaktivisten in verschiedenen Weltregionen diskutierte die sef: mit ´Gbenga Sesan aus Nigeria und Thomas Lohninger aus Österreich beim Deutsche Welle Global Media Forum 2018.

Lesen Sie die wichtigsten Diskussionsergebnisse in unserem Bericht nach!

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sef: insights 5-6|2018

NEUERSCHEINUNGEN

Wie können lokale Medien zu friedvollen Gesellschaften beitragen? Im Rahmen des Berliner Sommerdialogs erklären Rev. Geraldine Fobang aus Kamerun und Dr. William Tayeebwa aus Uganda die Herausforderungen und Chancen für friedensorientierten Journalismus. 

Lesen Sie die Interviews als sef: insights oder schauen Sie sie als Video an!

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